von Lesezeichen e. V.

1. Kinder- und Jugendbuchtage 2010

Rückblick von Sibilly Kleffner

Unsere 1. Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage waren ein voller Erfolg! Wir wollten junge Leseratten und vor allem Lesemuffel für das Wort begeistern und dies ist uns gelungen mit einer Vielzahl von Veranstaltungen. Der Rotary Club Überlingen und viele weitere Unterstützer haben uns den finanziellen Rahmen gegeben.

Auf dem Programm standen unter anderem eine Kinder- und Jugendbuchmesse, ein Vorlesewettbewerb für Kinder mit fremdsprachigem Hintergrund, ein Fotowettbewerb, eine Pop-Up-Bücherausstellung, ein Workshop für angehende Slam-Poeten mit anschließendem Wettbewerb in der Stadtbücherei, eine Filmlesung in der Cinegreth: Die Stiftung Lesen hat eine Fortbildung für Vorlesepaten angeboten. In 9 Kindergärten und 10 Schulen von Grundschule bis Gymnasium kamen fast 2.000 Kinder und Jugendliche in den Genuss einer Autorenlesung, erfanden mit Schauspielern und Illustratoren neue Geschichten, übten sich in Wortakrobatik und schrieben Texte, die als „Fliegende Blätter“ an Bäumen in der Innenstadt hingen. „Lesen eröffnet neue Welten und stärkt das Selbstvertrauen, bildet das Fundament von Moral und Werteverständnis, politischer Meinungsbildung und der beruflichen Zukunft junger Menschen“ sagt Dr. Bernhard Bueb, Vorsitzender des Lesezeichen e.V.

Wir  bedanken uns bei allen Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen! Und ich bedanke mich ganz besonders bei meinen Mitorganisatoren: Simeon Blaesi, Christine Gäng, Tina Hipp, Thomas Kuphal, Harald Matzen, Therese Olivier, Hedi Rothkegel, Walburga Soergel, Isabel Syrbius, Franziska Thalhofer und Christina Walz.

Sibylla Kleffner

Pressemitteilung

"Lesen eröffnet neue Welten"

Lesezeichen e.V. veranstaltet die ersten Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage

Überlingen, 18. März 2010 – Lesen macht schlau, lesen macht Spaß, lesen verbindet. Mit dieser simplen Botschaft ruft Lesezeichen e.V. vom 17. bis 24. April erstmals die Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage aus. Der Verein will junge Leseratten und vor allem Lesemuffel für das Wort begeistern. Auf dem Programm stehen unter anderem eine Buchmesse, ein Vorlese- und Fotowettbewerb, Autorenlesungen sowie ein Workshop für angehende Slam-Poeten.

„Lesen eröffnet neue Welten und stärkt das Selbstvertrauen, bildet das Fundament von Moral und Werteverständnis, politischer Meinungsbildung und der beruflichen Zukunft junger Menschen“, sagt Dr. Bernhard Bueb, ehemaliger Leiter der Schlossschule Salem, streitbarer Pädagoge und Vorsitzender des Lesezeichen e.V. Ziel des 2006 gegründeten Vereins ist, Kindern  ab drei Jahren und Jugendlichen einen neuen Zugang zu Büchern aufzuzeigen, den Spaß am Lesen zu vermitteln und ihre Kreativität herauszufordern.

Mitglieder des Vereins sind das ganze Jahr über als Lesepaten und Mentoren beispielsweise in den Überlinger Kindergärten und Schulen unterwegs. Furore machte Lesezeichen e.V. im vergangenen Oktober mit einem „öffentlichen Bücherregal“ am Kurgarten. Daraus kann sich jedermann rund um die Uhr und kostenlos Bücher ausleihen – und andere an Büchern teilhaben lassen. Um der Begeisterung für das geschriebene Wort erstmals eine größere Bühne zu geben, veranstaltet Lesezeichen e.V. vom 17. bis 24. April die ersten Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage. Die Idee dazu stammt von der Überlingerin Christina Walz, Galeristin und Mitbegründerin des Vereins.

Welttag des Buches am 23. April
Für das Festival haben Vereinsvorsitzender Bueb und seine Mitstreiter rund um den „Welttag des Buches“ am 23. April ein vielfältiges Programm mit zahlreichen Aktionen an verschiedenen Orten auf die Beine gestellt. Zu den Highlights zählen ein Vorlesewettbewerb für Kinder mit einem fremdsprachigen Hintergrund an den Überlinger Schulen, Lesungen von Lesepaten des Vereins und bekannten Kinder- und Jugendbuchautoren sowie ein Workshop für angehende Slam-Poeten. Ein Fotowettbewerb, eine Buchmesse und die Literatur-Performance „Fliegende Blätter“ runden das Festivalprogramm ab.

Der Rotary Club Überlingen unterstützt die ersten Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage finanziell und ideell. Oberbürgermeisterin Sabine Becker hat die Schirmherrschaft übernommen.

Ausschreibung eines Fotowettbewerbes

Thema: "Beim Lesen erwischt"

Vorlesen, selber lesen, da und dort und überall lesen!

Gesucht wird das schönste Foto rund ums Lesen.

  • Mitmachen können alle zwischen 5 und 99 Jahren. Abgabe der Bilder bei Foto Lauterwasser im Format 13x18 cm mit Name, Adresse, Tel.-Nr. und Alter auf der Rückseite des Bildes. Letzter Abgabetag ist der 11. April 2010.
  • Vom 19. - 24. April werden alle Bilder in der Sparkasse Überlingen ausgestellt. Eine Jury kürt die Gewinner in den Altersstufen bis 10 Jahre, bis 20 Jahre und bis 99 Jahre.
  • Die Gewinner werden benachrichtigt und bei der Lesezeichen-Veranstaltung am 24. April in der Kapuzinerkirche, werden Ihnen die Buchpreise überreicht.

  • Ab Anfang Mai können die Bilder wieder abgeholt werden.

Plakat Fotowettbewerb

Workshop mit Thomas Kuphal: THE SPIRIT OF SLAM auf der Suche nach dem eigenen Ton

Samstag, 17.04.10 um 14.00 h im Balkonzimmer des ev. Pfarrhauses

Thomas Kuphal leitete den Workshop für Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren. Die effektvolle sprachliche und rhythmische Gestaltung der selbst ausgedachten Texte wurden ausprobiert und bis zur Performance bühnenreif gemacht. Sprachspiele und Impros ergänzten die Übungen – zur Freude der Teilnehmer!

Workshop Poetry Slam U20 mit Maurice Meijer alias Maurice Moel

21.04.10, Stadtbücherei Überlingen

Alles, was zuvor im Workshop gelernt wurde, kann nun auf die Bühne gebracht werden. Maurice Moel versteht es perfekt, die Jugendlichen in Schwung zu bekommen. Auf dem Foto sieht man ihn (ganz links) mit den drei Besten!

Bilderbuchkino in Überlinger Kindergärten

Die Bilderbuchseiten werden, während der Lesepate vorliest, als Diaprojektion für alle Kinder sicht- und erlebbar. Und wie sie die Geschichten erlebt haben! Es hat wirklich allen Beteiligten viel Freude gemacht; es gab eine Menge zu entdecken auf den Bildern – die Phantasie hat die Geschichten weitergesponnen …

Die Lesepaten unterwegs in den Kindergärten:

Montag, 19.04.10  Montessori Kindergarten Nussdorf  -  Sibylla Kleffner
„Rabe Socke: Alles meins! Oder 10 Tricks, wie man alles haben kann!“

Dienstag, 20.04.10  Storchennest Deisendorf
Angelika Förg: „Der Grüffelo“

Dienstag, 20.04.10  St. Suso Kindergarten
Christine Gäng: „Mausemärchen-Riesengeschichte“

Mittwoch, 21.04.10  Kinderhaus Burgberg
Brigitte Jaeger: „Die fürchterlichen Fünf“

Mittwoch, 21.04.10  Rosa-Wieland-Kindergarten
Bettina Bueb: „Mausemärchen-Riesengeschichte“

Donnerstag, 22.04.10  St. Angelus Kindergarten
Susanne Wirth und Maurice Moel: „Als Michel den Kopf in die Suppenschüssel steckte“

Donnerstag, 22.04.10  Kindergarten Lippertsreute
Angelika Förg: „Der Grüffelo“

Freitag, 23.04.10  Kindergarten Nesselwangen
Sibylla Kleffner: „Rabe Socke: Alles meins! Oder 10 Tricks, wie man alles haben kann!“

Freitag, 23.04.10  Bonhoeffer Kindergarten
Anke Kühl: „Wo die Wilden Kerle wohnen“

Schön war’s! Und zum Erinnern für die Kinder haben die Kindergärten jeweils „ihr Buch“ geschenkt bekommen.

Wechstabenverbuchsler Mathias Jeschke macht Sprache lebendig

19.04.2010, Grundschule Hödingen

Das war eine außergewöhnliche Deutschstunde für die Erstleser der Grundschule Hödingen: Der Buchstabenverwechsler und Kinderbuchautor Mathias Jeschke war zu Besuch und führte den Kindern sehr lebendig sein Bilderbuch vom „Wechstabenverbuchsler“ vor.

Die Kinder lernten schnell, verdrehte Wörter zu verstehen und selbst Wörter zu verdrehen: So bekamen viele beim lebendigen Vortragen des Autors eine „Hänsegaut“ (Gänsehaut) aber auch Appetit auf „Schnutenpitzel oder eine Schnimtzecke“. Anschaulich präsentierte Jeschke über Beamer die einzelnen Seiten seines Buches mit den gelungenen Illustrationen von Carsten Teich, verstand es auch, mit Wörtern Musik zu machen und die Kinder zum Mitmachen zu ermuntern.

Hedi Rothkegel begleitete diese spannende und ungewöhnliche Lesemotivation. Die Lehrer sind gespannt, wie weit die Schulkinder in den nächsten Tagen die gelernte Technik des Buchstabenverwechselns in einer Art Wettbewerb umsetzen werden.

Pop-Up-Ausstellung in der Volksbank

Die Ausstellung für Leser von 1 - 100 Jahren lief vom 19.04. bis 26.04.10 in der Volksbank Überlingen. Organisiert und finanziert war sie von unserem Mitglied Isabel Syrbius mit Unterstützung der Volksbank Überlingen.

"Wissenswertes über Pop-Up Bücher" (von Isabel Syrbius)

Die ersten aufklappbaren Bücher kennen wir aus dem Mittelalter (ab 1200). Es waren Sachbücher für Erwachsene, bei denen man zum Beispiel in das Innere des Menschen hineinschauen konnte. Ärzte und Hebammen konnten so lernen, wo die Organe liegen. In der Renaissance erschienen dann die ersten Bücher mit Drehscheiben zur Darstellung von Planetenbewegungen und anderer mechanischer Phänomene. Pop-Up Bücher für Kinder kamen erst viel später auf (ab 1780). Zunächst gab es Verwandlungsbücher z. B. mit Teilen zum Umklappen, danach Anziehpuppen und ab 1850 Theaterbilderbücher mit Kulissen in mehreren Ebenen.  

Eigene originelle Zieh- und Klapp-Bilderbücher erfand 1878 der Deutsche Lothar Meggendorfer; das erste als Weihnachtsgeschenk für seinen Sohn. Damals wurden diese Bücher mit kleinen Spiralen und versteckten Drähten aus Kupfer animiert und man zog nicht an Papierlaschen wie heute, sondern an Bindfäden mit kleinen Holzkugeln daran.  

Ein solches Buch über Grimms Märchen besaß mein Großvater. Es war etwas ganz Besonderes, wenn wir miteinander das Buch anschauten, und ich war immer wieder fasziniert von den beweglichen Figuren. Ganz besonders gefiel mir Dornröschen, wo der Moment gezeigt wurde, in dem mit dem Kuss des Prinzen Dornröschen und das ganze Schloss wieder erwachen und der Küchenjunge vom Koch die Ohrfeige bekommt, weil er genascht hat. Leider gibt es dieses Buch nicht mehr, doch ich habe wahrscheinlich gerade deshalb mit dem Sammeln von Pop-Up Büchern angefangen. Die originellsten Pop-Up Bücher werden übrigens heute von der MBS (Movable Book Society) mit dem "Meggendorfer Prize" ausgezeichnet.  

In England und später Amerika produzierte ab 1877 der Verleger Ernest Nisteraus Nürnberg erfolgreich Pop-Up Kinderbücher, von denen hier zwei als Reprint gezeigt werden. Mit dem ersten Weltkrieg kam die Produktion von Pop-Up Büchern zum Erliegen und erholte sich erst nach 1930 langsam wieder, woran auch Walt Disney maßgeblich beteiligt war.

Heute gibt es wieder berühmte Pop-Up Konstrukteure, die durch ihreoriginellen Ideen auffallen: Ron van der Meer, David A. Carter und Kees Moerbeek sind nur einige von ihnen. (New at the Zoo, Farben, Ach du dicker Fisch!) Durch den Erfolg des Pop-up Buches ist der neue Beruf des Papieringenieurs entstanden.

Die meisten Pop-up-Bücher kommen inzwischen aus Amerika, weshalb hier auch ein Anteil amerikanischer Bücher gezeigt wird. Pop-Up Bücher sind in der Herstellung aufwendig und werden zumeist in Südamerika und China produziert, da die Lohnkosten dort geringer sind. Das Pop-Up Sachbuch, mit dem im Mittelalter alles begann, gibt es immer noch (Der Regenwald).

Filmlesung mit Thomas Binotto in der Cinegreth

19.04.10  Klassen 7 - 10 der Wiestorschule

Darf’s ein Bis(s)chen mehr sein?
Vampire von Nosferatu bis Edward Cullen

Mit diesem Kapitel aus seinem neuen Buch „Getrickst & abgedreht“ kam Thomas Binotto zu uns.

Nicole und Thomas Lailach hatten den Saal 3 ihrer Kinobetriebe in der Cinegreth zur Verfügung gestellt und für perfekte Technik gesorgt. Voller Spannung waren die Schüler der Klassen 7 – 10 unserer Hauptschule ins Kino gekommen.

Thomas Binotto, der nichts lieber tut als Jugendliche mit dem Kinovirus anzustecken, hat die Geschichte des Vampirfilms lebendig werden lassen und den roten Faden quer durch alle Vampirfilme mit zahlreichen Filmausschnitten aufgezeigt. Dazu erzählte er interessante und amüsante Hintergründe, wie z.B. verschiedene Tricks gefilmt werden, und viel Wissenswertes aus der Filmgeschichte.

Thomas Binotto ist Journalist und Buchautor und lebt in Schaffhausen. Franziska Thalhofer vom Lesezeichen e.V. begleitete ihn durch Überlingen.

Lesepaten-Workshop für Einsteiger

Am 19.04.2010 mit Christine Kranz von der Stiftung Lesen

Treffpunkt war das Balkonzimmer im evangelischen Pfarrhaus in der Grabenstraße 2.

Mit viel Schwung und Freude erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgende Themen:
Warum ist Vorlesen und Erzählen so wichtig für die praktische Erziehung?

  • Wie kann ich aus dem großen Angebot an Kinderliteratur eine geeignete Auswahl treffen?
  • Vorlesen ja, aber was, wie und wo?
  • Wie gehe ich mit besonders aktiven Kindern und anspruchsvollen Situationen um?

Christine Kranz, langjährige Referentin für Leseförderung und Lesequalifizierung der Stiftung Lesen, hatte außerdem eine Reihe Bücher mit klassischer und neuer Kinderliteratur, die sich besonders gut zum Vorlesen eignet, und eine Menge guter und praktischer Tipps im Gepäck.

Lesepaten-Workshop für Vorleser mit Vorkenntnissen

Am 20.04.2010 mit Christine Kranz von der Stiftung Lesen

Treffpunkt war das Balkonzimmer im evangelischen Pfarrhaus in der Grabenstraße 2.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die schon Erfahrung im Vorlesen haben, machten sich an die Bearbeitung folgender Themen:

  • Wie kann ich aus dem großen Angebot an Kinderliteratur eine geeignete Auswahl treffen?
  • Vorlesen ja, aber was, wie und wo?
  • Wie gehe ich mit besonders aktiven Kindern und anspruchsvollen Situationen um?

Christine Kranz, langjährige Referentin für Leseförderung und Lesequalifizierung der Stiftung Lesen, hatte außerdem eine Reihe Bücher mit klassischer und neuer Kinderliteratur, die sich besonders gut zum Vorlesen eignet, im Gepäck. Sie ging auf alle individuellen Fragen der Lesepaten ein und wusste mit einer Vielzahl verschiedener Tipps guten Rat zu geben.

Lesung mit Sabine Bohlmann: Wummelies wunderbare Welt“

20.04.10  Zwei 4. Klassen der Wiestorschule in der Stadtbücherei

Zu einer Lesung mit einer ungewöhnlichen Kinderbuchautorin gingen zwei 4. Klassen der Wiestorschule in die Stadtbücherei: Sabine Bohlmann, Schauspielerin, gefragte Synchronsprecherin von Zeichentrickfilmen und bekannt aus Fernsehserien wie „Marienhof“ oder „Unser Charlie“, stellte den Kindern den 2009 erschienen ersten Band  ihrer Wummelies-wunderbare-Welt-Reihe vor.

Aufmerksam lauschten die rund 60 Kinder den lebendig vorgelesenen Geschichten um das Mädchen Wummelie, das alleine auf einem Hausboot lebt. Völlig begeistert waren sie aber, Sabine Bohlmann z.B. als Stimme von Lisa Simpson zu hören oder als Maulende Myrte aus Harry Potter, Figuren, die den Kindern bestens aus den Filmen bekannt sind. Zum Schluss der Lesung erhielt noch jedes Kind ein Autogramm.

Sibylla Kleffner begleitete diese Lesung für Lesezeichen e.V.

Gruselige Lesung mit Florian Fischer: Valley Tal der Wächter

20.04.10, in der Gruft

Ein dunkler düsterer Gewölbekeller mit flackernden Kerzen. Die Worte haben geheimnisvollen Klang in der kalten „Gruft“ zehn Meter unterhalb der Turmgasse in der Überlinger Altstadt. Ein perfekter Ort für spannende Geschichten aus einer gruseligen Welt!

Als Hintergrundkulisse an der Erdoberfläche mächtiges Donnergetöse, ein prasselnder Wolkenbruch – die perfekte Hintergrundkulisse für die Lesung von Florian Fischer – schaurig schön!

Florian Fischer, Schauspieler in Fernsehserien, Kinofilmen und auf der Bühne, Sprecher und Kinderbuchautor, kam aus München angereist und hielt mit seiner Lesung die Überlinger Jugend und Erwachsenen gleichermaßen in Spannung

Lesung mit Christa Ludwig: Carlos in der Nacht

20. 04.10  Jörg-Zürn-Gewerbeschule
21. 04.10  Justus-von-Liebig-Schule

In beiden Schulen hörten die Schülerinnen und Schüler interessiert zu, als Christa Ludwig von ihrer Reise auf den Spuren des historischen Carlos erzählte und das Buch seines Lebens und der Welt, in der er lebte, vor ihnen aufblätterte. Es gelang ihr, mit den jungen Menschen gemeinsam einen Bogen zu spannen von der damaligen Zeit über die schillernde Persönlichkeit des Don Carlos hinweg bis zur Gegenwart und die Parallelen aufzuzeigen, die Verantwortung, die jeder Mensch in seiner Zeit zu tragen hat, die ethischen und moralischen Grundgedanken, die sich letztendlich nie ändern.

Lesung mit Dirk Petrick: Der Käse-August und das Waldmannli

21.04.10,  Klassen 1 und 2 der Burgbergschule

Dirk Petrick hat gleich zweimal gelesen, damit auch alle Schülerinnen und Schüler der 1. und 2. Klassen sich von dem „Elfen“ in den Zauberwald versetzen lassen konnten. Er zog sie ganz in seinen Bann; sie erlebten die Verwandlung des faulen und tyrannischen August in einen glücklichen Jungen hautnah mit.

Emmo Müller: Sina Biberstein und das geheimnisvolle Koboldbuch

22.04.2010  Realschule 5. Klassen
22.04.2010  Wiestorschule 5. Klasse

Gleich zweimal war Emmo Müller in den Schulen unterwegs: Sowohl die 5. Klassen der Realschule als auch die 5. Klasse der Wiestorschule durften sich in die Fantasiewelt der Sina Biberstein entführen lassen.

Es ist eine Welt voller Magie und Gefahren, aber auch mit ungeahnten Möglichkeiten und mit herrlichen Koboldregeln für alle Lebenslagen:

„Freiheit ist ein Gut, das man erst dann richtig zu schätzen lernt, wenn es einem abhanden gekommen ist.“ oder

„Schau genau hin, dann schau noch einmal hin. So mancherlei Ding ist auf den ersten Blick unsichtbar.“ oder

„Ein Tag ohne Unsinn ist ein verschenkter Tag!“

Andrea Erne: Wir entdecken die Berge

am 21.04.10 mit den Klassen 1 der Wiestorschule

Was man so alles im Gepäck haben sollte als zünftiger Bergsteiger demonstrierte Andrea Erne den Erstklässlern der Wiestorschule.

Und dann ging es los, die Welt der Berge zu entdecken: Berge können wachsen oder schrumpfen wie die Menschen; die verschiedensten Steine liegen zum Sammeln bereit; Murmeltiere, Steinböcke, Steinadler, seltene Schmetterlinge, Enzian und Edelweiß sind zu sehen; Bäche sprudeln plötzlich aus dem Boden – einfach eine herrliche Welt!

Tinka Kleffner, Michael Dietrich: Mit Zick und Zack auf Geschichtenreise

22.04.10  Burgbergschule 2 x Klassen 3/4
22.04.10  Wiestorschule Klassen 3

Gleich dreimal mussten Zick und Zack beobachten, wie Tinka und Michi mit Hilfe der Schülerinnen und Schüler ganz neue Geschichten entstehen ließen, sei es in der Wüste, auf dem Wolkenkratzer oder im Land der Fantasie“. Ihr Resumée:

Zick: Hey Zack, wenn ich hier so auf den See guck, dann werd ich ganz melampholisch.
Zack: Melancholisch!
Zick: Ganz marmeladig werd ich da...Zack, das ist sooooo schööööön hier!
Zack: Wir kommen einfach wieder, Zick!
Zick: Au ja! Dann sollen die nochmal so Kinderbuch-Dings da machen und dann ...
Zack: Kinder- und Jugendbuchtage!
Zick: Genau, die 2. Überlinger Kinder- und Jugenddingstage! Und dann erfinden wir ganz tolle neue Geschichten ...
Zack: ... schöööööööön...
Zick: Seufz...
Zick/Zack (singend und träumend): ... schön war die Zeit, so schön war die Zeit ...

Michael Walz: Wie übersetzt man eigentlich einen Asterix?

Michael Walz am 22.04.2010 in der Constantin-Vanotti-Schule

Das war schon etwas Besonderes: Aus erster Hand über die Schwierigkeiten und die Freiheiten eines Übersetzers zu hören! Wie bleiben der Wortwitz, die Wortspiele, die sprachlichen Anspielungen erhalten? Da wünschten sich doch die Schülerinnen und Schüler gleich eine Fortsetzung!

Katharina Volk: Der Liebesretterclub

23.04.10  Gymnasium 5. Klassen Mädchen

Die Mädchen der 5. Klassenstufe des Gymnasiums waren schnell mitten im Thema: Die nötigen Gemeinsamkeiten finden, um glückliche Paare zu vermitteln!

Die Großmutter bringt es am Ende der Geschichte auf den Punkt: „Ein paar Gemeinsamkeiten zu haben und auch den Verstand einzuschalten, kann nicht schaden. Aber man muss wirklich nicht in allen Punkten hundertprozentig übereinstimmen. Wichtig ist, dass niemand den anderen zu etwas zwingt, das er überhaupt nicht will. Vor allem muss man miteinander reden und sich verstehen. Und dazu braucht man nicht nur den Verstand, sondern auch Gefühl.“

Im Anschluss konnten sich die Schülerinnen unter der Anleitung von Katharina Volk selbst im Geschichtenschreiben üben.

Aktion: "Fliegende Blätter"

Die Idee der „Fliegenden Blätter“: Schülerinnen und Schüler sollten die Möglichkeit bekommen, sich selbst kreativ zum Thema Literatur einbringen und dies auch der Öffentlichkeit zeigen zu können. Die Schulen konnten Inhalt und Art der Textgestaltung  (Themenbäume oder von den Kindern oder Klassen selbstverfasste Texte / Gedichte / Gedanken) auswählen.

Am 23.04.10 ab 11.30h schwärmten die Schülerinnen und Schüler aus, um ihre Blätter aufzuhängen: Die Wiestor- und die Burgbergschule an Bäumen im Badgarten, die Grundschule Nussdorf bei den Seeschulen, die Realschule vor der Kur und Touristik, das Gymnasium auf dem Landungsplatz und die Justus-von-Liebig-Schule und das Jugendreferat hatten ihre Literaturbäume auf dem Münsterplatz. Allein das zu beobachten war schon eine Freude!

Und jeder, der vorbei kam, hat hier und dort die Texte gelesen, sei es zum Thema „Was gefällt mir in Überlingen“, oder „Was bewegt mich gerade“ oder einfach schöne Bilder und Reime, wie z.B. „Das fliegende Pupsgedicht“ einer 9-Jährigen:

„20 Pupse jede menge
Drengen sich in großer enge
Momentan in Heikos Darm
Deshalb schlagen sie Alarm!“

Abenteuergeschichten mit Susanne Wirth, Christine Gäng, René Kius

„Eine Reise um die Welt“

21.04.10, Stadtbücherei – öffentlich

Mit Nevongos Abenteuer und sein Geschichtenvermächtnis starteten eine große Kinderschar mit unseren Vorlesern Susanne Wirth und Christine Gäng musikalisch begleitet von René Kius zur 1. Station in China, hörten von Han Gan und dem Wunderpferd, reisten über den zugefrorenen Beringsee zu den Indianern nach Nordamerika und erlebten die Geschichte des „Lachsjungen“.

Weiter ging es über den Atlantik mit dem Piratenrocksong in die antike Welt, um dort Geschichten über Minotaurus, Theseus, Ariadnes Faden und Ikarus zu hören. Und natürlich fanden sie auch eine Schatztruhe, aus der es schöne Dinge mit nach Hause zu nehmen gab.

Wortakrobatik auf der Münstertreppe

Ensemble Fugato 12 unter der Leitung von Arno Nyc

Mit Spannung und als Schlusspunkt unserer „Fliegenden-Blätter-Aktion“  versammelten sich alle Schülerinnen und Schüler nach dem erfolgreichen Aufhängen ihrer Literaturblätter vor der Münstertreppe. Dort stand das Ensemble Fugato 12, eine Gruppe Sängerinnen und Sänger der 12. Jahrgangsstufe des Gymnasiums, die sich intensiv mit ihrem Musiklehrer Arno Nyc mit dem Thema der Fuge auseinandergesetzt hatten.

Für unsere 1. Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage hatten sie ein besonderes Programm einstudiert und ihm den Namen „Wortakrobatik“ gegeben:

"Fuge aus der Geographie" von Ernst Toch
"Wer andern eine Grube gräbt" von Bernhard Cronenberg
"Vokalstudie" von Harald Weiß
"Quantitativ" von Einojuhani Rautavaara
"Personalia" von Einojuhani Rautavaara

Das war beeindruckend und einfach schön, mit welcher Freude und Exaktheit alle Schwierigkeiten gemeistert wurden – ein Genuss!

Unsere Schirmherrin, Oberbürgermeisterin Sabine Becker, konnte mit dabei sein und bedankte sich bei allen Beteiligten für diese Glanzleistung im besonderen, aber auch für das große Engagement aller Beteiligten der 1. Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage.

Endrunde des Lesewettbewerbs Viele Leser Eine Sprache

24.04.10, Museumssaal

So unterschiedlich wie die Bücher, die sie ausgewählt haben, so verschieden sind ihre Herkunft und ihre Art des Vorlesens. 30 Schüler aus 10 Schulen schafften es in die Endrunde des Lesewettbewerbs. Zuerst lasen sie 4 Minuten einen bekannten Text aus ihrem Lieblingsbuch vor, dann stellten sie sich der Herausforderung eines unbekannten Textes (2 Minuten).

Mit großer Aufmerksamkeit hörten die Mitglieder der Jury zu:

  • Teresa Stocker, Mitglied Lesezeichen e.V.
  • Cornelia Mengus, Mitglied Inner Wheel
  • Oswald Burger, bekannter Vorleser

Die Projektleiterin Walburga Soergel hatte mit viel Liebe und Einsatz alles organisiert, und die Damen von Inner Wheel hatten im Museumsgarten ein tolles Buffet gerichtet, an dem sich Teilnehmer und Zuhörer stärken konnten.

Nach dem Motto „Wer liest, gewinnt!“ erhielten alle Teilnehmer das Buch
„Ich schenk dir eine Geschichte“ (Welttag des Buches 2010), sowie einen Buchgutschein. Die Siegerehrung war am Abend während des Festaktes
in der ehem. Kapuzinerkirche.

Die Preisträger:

Gruppe I -
Klassen 3 und 4

  • Selda Bugday (40 Euro)
  • Safira Huremovic (30 Euro)
  • Lora Ajdini (30 Euro)
  • James van Wyk (25 Euro)
  • Sonya Popescu (25 Euro)

Gruppe II - Klassen 5, 6 und 7

  • Manuele Rullo (50 Euro)
  • Nico Guldin (50 Euro)
  • Daniel Romero (50 Euro)

Gruppe III Gewerbeschüler

  • Goran Pavlovic (100 Euro)
  • Emin Aslan (50 Euro)

Alle weiteren Teilnehmer (10 Euro)

Die Büchergutscheine hatte alle die Buchhandlung La Piazza, Andreas Braun, gestiftet!

Kinder- u. Jugendbuchmesse mit Leserabe, Clown Dido und Druckwerkstatt

Am 24.04.10  in der ehem. Kapuzinerkirche

So hatte sich unsere Kapuzinerkirche noch nie gezeigt: An den Längswänden waren Bücherregale und Tische aufgebaut, im Chor gab es eine Bühne und eine Druckwerkstatt. 18 Verlage hatten uns ihre Kinder- und Jugendbücher in Kommission gegeben – eine riesen Auswahl! Einfach alles, was das Leseherz begehrte, konnte entdeckt werden – federführend organisiert von Franziska Thalhofer, Auszubildende in der Buchhandlung La Piazza.

Der Ravensburger Leserabe mit seinem Glücksrad war da und hatte viele Preise zu verteilen.

In der Druckwerkstatt halfen Therese Olivier und Joanna Klakla-Heinzel den Kindern, selbst kleine Kunstwerke herzustellen.

Clown Dido (Stefan Schlenker) ließ zwischenhinein Bücher und Geschichten lebendig werden und begeisterte Kinder und Erwachsene mit seinen Clownerien.

Abschlußveranstaltung in der ehemaligen Kapuzinerkirche

24.04.10, 18.00 Uhr

Fast 200 Personen sind unserer Einladung zur Schlussveranstaltung gefolgt. Die Preisträger des Lesewettbewerbs mit ihren Familien waren gekommen, die Preisträger des Fotowettbewerbs, viele Erzieherinnen, Lehrerinnen und Lehrer, Rotarier und Inner Wheel und viele viele Freunde.

Simeon Bläsi, der durch die Veranstaltung führte, begrüßte alle herzlich im Namen des Lesezeichen e.V.: „Eine ganze Woche ging es nur ums Lesen für und mit Kindern und Jugendlichen. Eine fulminante Woche! Es gab Ausstellungen in der Volksbank und der Sparkasse, es gab ganz, ganz viele Lesungen, und viele spannende Abenteuer mit dem Bilderbuchkino, aber auch eine Abendteuerreise und ein Figurentheater in der Stadtbücherei, es gab Poetry Slam, fliegende Blätter, Wortakrobatik und einen Vorleseworkshop, einen Foto- und einen Vorlesewettbewerb und nicht zuletzt eine Kinder- und Jugendbuchmesse hier in der Kapuzinerkirche mit Leseraben, Clown und einer Druckwerkstatt für Kinder. Heute Abend endet diese aufregende Woche.“

In Stellvertretung unserer Schirmherrin, Oberbürgermeisterin Sabine Becker, eröffnete Bürgermeister Ralf Brettin im Namen der Stadt mit seinem Grußwort den Abend. Zitat: „Das Amt des Bürgermeisters hat ja den Vorteil, dass man so ab und zu auch mal zu einem ganz eigenen Lieblingsthema etwas sagen kann, und das ist heute Abend der Fall, und darüber freue ich mich sehr!“ Er sprach über die große Bedeutung des Lesens als ein Schritt in die Selbständigkeit und in die eigene Meinung und erklärte, warum Lesen so schön ist und dazu stark und tolerant macht.

Jörg Stocker, der Präsident des Rotary Club Überlingen begründete in seinem Grußwort sein Engagement bei unseren Kinder- und Jugendbuchtagen: Zitat: „Das englische Wort literacy steht für Belesenheit, man kann es aber auch übersetzen mit Alphabetisierung, und im weitesten steht es auch ganz allgemein für Bildung. Alphabetisierung, Belesenheit, Bildung – diese drei Dinge bauen sich, wenn man genau hinschaut, aufeinander auf. Und alle drei zusammen genommen beschreiben einen der Schwerpunkte rotarischen Engagements.“ Wichtig ist, Kinder und Jugendliche für das Lesen und Schreiben zu begeistern und ihnen damit die Chance auf ein selbstbewusstes und selbstbestimmtes Leben zu erhöhen. Er betonte auch ein weiteres rotarisches Anliegen, die Förderung der Völkerverständigung, wozu der Lesewettbewerb „Viele Leser – eine Sprache“ beigetragen habe. Sein besonderer Dank galt hier der Projektleiterin Walburga Soergel.

Von Dr. Bernhard Bueb, unserem 1. Vorsitzenden bekamen wir einen Vortrag zum Thema „Aufstieg durch Bildung“. Er kommt zu dem Schluss, dass letztendlich das Zentrum von Bildung ist, das Selbstwertgefühl zu stärken, dass kein geballtes Wissen wichtig ist, sondern vielmehr die Zeit, die sich die Erwachsenen für die Kinder und Jugendlichen nehmen.

Aber lesen Sie selbst!

Die große Dankbarkeit und auch die Freude, die das Organisationsteam des Lesezeichen e.V. am Ende dieser so rundum gelungenen 1. Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage empfand, versuchte Sibylla Kleffner, Stellvertretende Vorsitzende des Vereins und verantwortlich für die Organisation,
in Worte zu fassen.

Bevor die spannende Siegerehrung begann, beeindruckte uns erneut die schwungvoll und gekonnt vorgetragene Wortakrobatik des Ensembles Fugato12 unter der Leitung von Arno Nyc.mit der „Fuge aus der Geographie“ von Ernst Toch.

Nun hatten die Sieger unserer Wettbewerbe lange genug gewartet und waren an der Reihe:

"Beim Lesen erwischt", war das Motto unseres Fotowettbewerbs, durchgeführt von Foto Lauterwasser. Gesucht wurde das schönste Foto rund ums Lesen. Geschossen hatten es in der Gruppe der unter Zehnjährigen Simon Lohmer und Philipp Schappeler. Ina Lauterwasser holte sie auf die Bühne und überreichte ihnen den 1. Preis – natürlich ein Büchergutschein! Bei den Erwachsenen gewann Astrid Eilers den 1. Preis, Heike Traupe den 2. Preis und Anke Kühl den 3. Preis.

"Viele Leser, eine Sprache", war das Motto unseres Vorlesewettbewerbs für Deutsch Lernende an Überlinger Schulen. Ihr kultureller Hintergrund ist vielfältig und bei ihnen zuhause wird nicht nur Deutsch gesprochen. Aber vorgelesen haben sie alle auf Deutsch. Heute Vormittag fand das Finale im Museumssaal statt, Walburga Soergel holte sie auf die Bühne und Jörg Stocker verteilte die Preise. Gewonnen haben:

Gruppe I (Klasse 3, 4)
Selda Bugday, Safira Huremovic, Lora Ajdini, James van Wyk, Sonya Popescu

Gruppe II (Klasse 5, 6, 7)
Manuele Rullo, Nico Guldin, Daniel Romero

Gruppe III (Gewerbeschüler)
Goran Pavlovic, Emin Aslan.

Natürlich wurden alle Sieger mit großem Applaus bedacht!

Noch einmal erfreute uns FUGATO12 mit:

"Wer andern eine Grube gräbt" von Bernhard Cronenberg
"Vokalstudie" von Harald Weiß
"Quantitativ" von Einojuhani Rautavaara
"Personalia" von Einojuhani Rautavaara

Und weil es so schön war, gleich nochmal als Zugabe „Wer andern eine Grube gräbt“!

Ja, und damit waren wir nun wirklich am Ende der 1. Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage angekommen. Beim geselligen Nachklang sorgten die Überlinger Guggenvamps für unser Wohlergehen.

Abschlußveranstaltung: Dankefahne Sibylla Kleffner

Sibylla Kleffners Dank an alle Beteiligten:

"Vielen Dank, lieber Simeon,  für Deine lieben Worte, für Dein Lob und für die damit verbundene Wertschätzung  – die ich Ihnen, liebe Bücher- und Lesefreunde, gerade so weitergeben möchte. Denn was wäre all die Organisation, was wären die 1. Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage ohne Sie alle, ohne Euch alle!

Der Zuspruch, den wir im Vorfeld und über die gesamten Tage erfahren haben, ist enorm – und ich bin immer noch überwältigt. Anfang des Jahres wurde ich unversehens als Vertreterin für Christina Walz mit der Organisation der Kinder- und Jugendbuchtage betraut. Und ich bin damit buchstäblich ins kalte Wasser gesprungen.  Ich muss gestehen: Freiwillig hätte ich mir das nicht zugetraut. Ich wusste ja gar nicht so recht, worauf ich mich da einlasse: Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Sponsoring, Programmgestaltung, mit Autoren, Künstlern und Schulen verhandeln! Irgendwie ging es! Und wissen Sie, warum? Ich war nicht allein!

Ein unschlagbares Team stand mir mit Rat und vor allem mit Taten zur Seite, bei Sponsoren rannte ich offene Türen ein, Autoren und Künstler schlossen sich begeistert an. Die Überlinger Kindergärten und Schulen freuten sich riesig, ihren Kindern und Schülern Programm anbieten zu können. Und auch bei der Stadtverwaltung war keinerlei Überzeugungsarbeit notwendig – das Projekt sprach bereits für sich. Wir erhielten alle Unterstützung, die wir uns nur wünschen konnten. Dazu kam der Lesewettbewerb, der Fotowettbewerb und die Pop-up-Ausstellung, und die 1. Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage nahmen ganz von allein ihren Lauf – und wir alle liefen mit – und im Wettlauf mit der Zeit haben sich Freundschaften gebildet. Was für ein Geschenk!

Und dann, nach all der Arbeit und dem unermüdlichen Einsatz von allen Mitmachern, Organisatoren, Autoren, Künstlern: Was für ein Geschenk die Reaktionen von Groß und Klein: leuchtende Kinderaugen, faszinierte Jugendliche (von denen darf es beim nächsten Mal ruhig mehr geben), strahlende Erwachsenen-Augen, gespitzte Ohren, staunende Münder, vor Begeisterung heißgeklatschte Hände, johlende Stimmen ... Vielleicht kam es nur mir so vor: Die ganze Stadt schien auf den Beinen, die Welt der Bücher zu erobern und Neues zu entdecken.  Vielleicht können Sie sich vorstellen, wie glücklich wir heute Abend sind – und wie erleichtert! Jede einzelne Veranstaltung war ein voller Erfolg.

Und so gilt unser besonderer Dank dem Rotary Club Überlingen, der mit seiner großzügigen finanziellen Unterstützung die 1. Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage erst möglich gemacht hat. Danke! Jetzt wäre eigentlich der Moment der weiteren großen Danksagungen ... Ich behaupte mal ganz frech, dass Sie mir dankbar sind, wenn ich Ihnen nicht alle Namen runterrattere, die jetzt genannt werden sollten. Warum?

Schauen Sie doch mal rechts und links von mir, da sehen Sie jeweils eine große Schriftfahne. Auf den ersten Blick eine wunderbare Bühnendekoration – übrigens von einem bosnischen jungen Künstler in zwei langen Nächten, auf den Knien rutschend, von Hand geschrieben. Auf den zweiten Blick – ist es viel mehr! Jeder einzelne Unterstützer, ob finanziell, ideell oder tatkräftig, hat hier seinen Platz gefunden –  ganze 150!  Diese Zahl ist so gewaltig, dass wir uns alle einig waren: Das wollen wir nicht hörbar, sondern sichtbar machen.

So stehe ich hier, stellvertretend für Sie alle, eingerahmt von all jenen, die zugepackt und mit angepackt haben, ihr Geld und ihre Ideen eingebracht haben – und kann einfach nur DANKE sagen, Danke, Danke, Danke. Sie haben uns unvergessliche Kinder- und Jugendbuchtage geschenkt! Danke!
     
Nun mögen Sie sich fragen: Ja, für wen ist denn nun die Rose?
Diese Rose möchte ich einem ganz besonderen Menschen in die Hand drücken. Sie hatte die springende Idee für die 1. Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage. Sie hat eine einmalige Vorarbeit geleistet und uns, zum Glück, dies alles eingebrockt: Christina Walz.    

Christina, Du bist einfach toll!     Danke!"

Abschlußveranstaltung - Grußwort des Baubürgermeisters Ralf Brettin

"Meine Damen und Herren, ich darf Sie recht herzlich hier begrüßen in der Kapuzinerkirche. Das Amt des Bürgermeisters hat ja den Vorteil, dass man so ab und zu auch mal zu einem ganz eigenen persönlichen Lieblingsthema etwas sagen kann, und das ist heute Abend der Fall, und darüber freue ich mich sehr.
Besonders begrüßen möchte ich Herrn Dr. Bueb als Vorsitzenden des Vereins Lesezeichen, Frau Christina Walz, Mitbegründerin des Vereins und die Ideengeberin für diese Kinder- und Jugendbuchtage, Herrn Jörg Stocker, Präsident des Rotary Clubs Überlingen – der Rotary Club hat ja dieses Projekt zu seinem Jahresprojekt gemacht und hier großzügig unterstützt – und last, but not least – Frau Sibylla Kleffner, die sich so viel Mühe und Einsatz für dieses Thema, für diese Woche, gemacht und geleistet hat.

Eine ganz besondere Veranstaltung in Überlingen, eine Veranstaltung, die jungen Menschen das Buch nahe bringen soll, Kindern und Jugendlichen Spaß machen soll am Lesen. Wer liest, erlebt spannende Dinge, erlebt Zeiten – die heutige, die Vergangenheit, vielleicht die Zukunft, kann mal über den Tellerrand des eigenen Lebens hinaussehen, seinen Horizont erweitern. Vor allen Dingen, wer in jungen Jahren damit anfängt – ich kann das aus eigener Erfahrung sagen – der bleibt dann, wenn’s gut geht, ein ganzes Leben dabei und hat da einen Schatz gefunden, auf den man immer wieder bis ins Alter zurückgreifen kann.

Menschen mit Lesekompetenz hatten es immer einfacher, ihre ganz persönlichen und die Probleme in der Gesellschaft anzupacken und zu lösen. Lesen bedeutet Bildung, und Bildung macht urteilsfähig. Gute Bildung ist der Schlüssel für eine gute Zukunft nicht nur für den Einzelnen, sondern für eine Stadt und für ein ganzes Land. Lesen ist ein wichtiger Hintergrund für Bildung, insbesondere wenn wir uns heute die Medienlandschaft anschauen. Die elektronischen Medien sind stark auf dem Vormarsch. Man muss sie natürlich vernünftig nutzen, aber wir twittern und wir bloggen und haben uns letztlich immer weniger zu sagen. Und das Lesen ist sozusagen ein Korrektiv dazu – eine slow food Information in unserer fast food Informationsgesellschaft. Und damit ist Lesen auch ein Schritt in die Selbständigkeit, in die eigene Meinung. Dazu drei Sätze:

Das Erste: Lesen macht Spaß!

Ich denke, das wird jeder auch aus seiner eigenen Zeit als Kind und Jugendlicher noch wissen. Man war gespannt, wie gehen die Geschichten aus, wie gehen sie weiter. Man hat mit seinen Helden mit gefiebert, ob sie nun Jim Hawkins oder Momo heißen. Der eine oder andere wird das Buch unter die Decke mitgenommen haben mit einer Taschenlampe, und es war spannend, es hat Freude gemacht. Lesen macht einfach Laune. Und auch heute hat man ja die Möglichkeit, mit Piraten, mit Gespensterjägern unterwegs zu sein oder mal mit Harry Potter in eine Zauberschule zu gehen; also Dinge, die man sonst im alltäglichen Leben ja gar nicht kann.

Das Zweite: Lesen macht stark!

Lesen macht stark im Kopf. Wer liest, bildet sich seine eigene Meinung, lässt sich nicht mehr so ohne weiteres von anderen etwas vormachen, und wer schon einmal so einen ganz dicken Wälzer durchgelesen, durchgeackert, durchgearbeitet hat, der weiß auch, dass sich die eigene Meinung nicht von jetzt auf gleich bildet, und der weiß auch, dass er sich nicht von jedem etwas vormachen lassen kann.

Das Dritte: Lesen macht tolerant!

Wer liest, wer viel liest und auch viel Verschiedenes liest, der wird irgendwann einmal merken, dass unabhängig von Alter, Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht eines Menschen oder Glaubensrichtung es möglich ist, dass da anrührende Gedichte, spannende Romane und flammende Appelle für die Freiheit herauskommen können. Man wird lernen, dass auch andere ihre Meinung haben. Man wird lernen, sich mit Dingen, die vielleicht zuerst einmal fremd sind, positiv auseinander zu setzen und nicht gleich von vornherein abzulehnen und – so hoffe ich doch – friedlich mit dem anderen umzugehen.

Eintausendfünfhundert bis zweitausend Kinder und Jugendliche haben diese Kinder- und Jugendbuchtage in Überlingen erreicht. Es sind viele interessante und faszinierende Veranstaltungen gelaufen, und es müssen sich natürlich eine Menge Leute dafür einsetzten, dass so etwas zustande kommt. Daher gilt mein Dank aus Sicht der Stadt Überlingen allen Sponsoren, allen Organisatoren, allen, die ehrenamtlich und aus Freude zum Gelingen der Veranstaltung mit beigetragen haben, und natürlich als aller-erstes den lesebegeisterten Kindern und Jugendlichen.

Ich wünsche uns nun einen schönen Abschlussabend, einen sehr schönen Frühlingsabend – wie er ja verspricht zu werden draußen – und darf damit diese Veranstaltung für eröffnet erklären. Vielen Dank!"

Abschlußveranstaltung - Grußwort Jörg Stocker

"Sehr geehrte Damen und Herren,

das englische Wort literacy steht für Belesenheit, man kann es aber auch übersetzten mit Alphabetisierung, und im weitesten Sinne steht es auch ganz allgemein für Bildung. Alphabetisierung, Belesenheit, Bildung – diese drei Dinge bauen sich, wenn man genau hinschaut, aufeinander auf. Und alle drei zusammen genommen beschreiben einen der Schwerpunkte rotarischen Engagements.

Nun, warum interessiert sich ausgerechnet Rotary als Verein mit sozialem Profil für Alphabetisierung oder für Bildung?  Ich will es Ihnen sagen: Zunächst ist Rotary ja eine globale Organisation. Rotary gibt es in über 200 Ländern – also fast kein Land auf dieser Erde ohne Rotary –, und als globale Organisation verfolgt Rotary natürlich auch globale Ziele, Länder übergreifende gemeinsame Ziele. Und Rotary setzt sich mit seinen immerhin fast 1,3 Millionen Mitgliedern weltweit mit einem ungeheuren Engagement und auf ehrenamtlicher Basis dafür ein, dass sich die Lebensbedingungen auf dieser Welt für die Menschen unabhängig von Religion, unabhängig von Rasse oder Politik verbessern.  

Voraussetzung dafür aber ist Bildung; nur durch Bildung kann es ein funktionierendes Miteinander geben. Und Voraussetzung für Bildung nun mal ist, dass Menschen Lesen und Schreiben können. Ohne Lesen und Schreiben keine Bildung, ohne Bildung kein sozialer Aufstieg, und ohne sozialen Aufstieg aber auch keine Chance auf wirtschaftliches Wohlergehen. Und das ist wiederum Voraussetzung für Stabilität und damit – wenn man so will – auch Voraussetzung für Demokratie. Ich denke, darum geht es. Durch literacy, durch Alphabetisierung, durch Bildung, durch die Förderung der Fähigkeit Schreiben und Lesen zu können, unterstützen wir weltweit auch ein Stück weit Stabilität, wirtschaftliches Wohlergehen und Demokratie, und wir sorgen dafür, dass Menschen insgesamt an einem funktionierenden Gemeinwesen teilhaben können.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder vom Lesezeichen e.V., und vor allem natürlich auch liebe Teilnehmer an den 1. Überlinger Kinder- und Jugendbuchtagen, ich darf Sie im Namen von Rotary Überlingen ganz herzlich heute Abend hier in der Kapuziner Kirche begrüßen. Und Sie merken, ich bin schon mittendrin in diesem wunderbaren Thema, das uns heute Abend verbindet und das uns heute Abend zusammen führt: nämlich die Förderung junger Menschen, die Förderung von Kindern und Jugendlichen; sie zu begeistern, zu begeistern für das Lesen und begeistern für das Schreiben, damit sie, diese jungen Menschen teilhaben können an den vielen Herausforderungen, die das Leben so stellt. Aber eben auch, um ihre Chance auf ein selbstbewusstes, und im besonderen auch ihre Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu erhöhen.

Und, sehr geehrte Damen und Herren, in diesem Zusammenhang ist uns Rotariern auch dieser Vorlesewettbewerb, der ja heute Abend mit der Preisverleihung seinen Abschluss findet, ein ganz großes und ein ganz wichtiges Anliegen. Dieser Wettbewerb soll Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, und bei denen zuhause auch eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wird, motivieren. Motivieren, Deutsch zu lesen, um Deutsch besser zu verstehen. Aber auch, um ihnen auf ihrem Weg zur Integration in unsere deutsche Welt ein Stück weit eine kleine Hilfestellung zu sein.

An dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön an Walburga Soergel dafür, dass sie sich so großartig für diesen Wettbewerb eingesetzt hat. Und natürlich auch ein herzliches Dankeschön an alle Inner Wheelerinnen dafür, dass sie heute hier beim Lesewettbewerb für die Bewirtung im Garten des Museumssaals gesorgt haben.

Ich habe es vorher schon kurz angesprochen: Integration. Integration durch Sprache, Integration durch Sprachverständnis. Auch das ist ein kleiner, aber dennoch – wie ich meine – ein absolut wichtiger Beitrag zur Verständigung von Völkern untereinander. Und schon haben wir zwei große rotarische Anliegen: nämlich die Förderung junger Menschen und die Förderung von Völkerverständigung herunter gebrochen – ich sage mal – von der großen internationalen Bühne in ein großartiges regionales oder auch lokales Projekt. Und deswegen freuen wir uns natürlich ganz besonders darüber, dass dieses tolle Projekt, dass diese 1. Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage möglich geworden sind als gemeinsames Projekt von Lesezeichen e.V. zusammen mit unserem Rotary Club Überlingen. Und deswegen auch meinen Dank an Lesezeichen e.V., denn diese Idee, diese Vision dieser 1. Kinder- und Jugendbuchtage, sie kam aus Ihren Reihen von Christina Walz, und sie hat uns, den Rotary Club Überlingen, angesteckt mit ihrer Idee, sie hat uns dafür begeistert. Ohne sie hätte es diese Veranstaltung so in dieser Form nicht gegeben. Und deswegen ihr ein ganz besonders herzliches Dankeschön.

An dieser Stelle möchte ich aber auch all denjenigen danken, die durch ihr Mitwirken diese Veranstaltung unterstützt haben, allen Helfern und allen Sponsoren, und im besonderen gilt hierbei mein Dank natürlich den Mitstreitern vom Lesezeichen e.V. für ihr Engagement und für ihren Einsatz vor und während dieser Veranstaltung. Mein direkter Ansprechpartner war immer Frau Sibylla Kleffner, und liebe Frau Kleffner, diese einfache und unkomplizierte Art der Zusammenarbeit hat mir persönlich sehr viel Spaß gemacht. Auch Ihnen ein sehr herzliches Dankeschön dafür.

Sehr verehrte Damen und Herren, ich freue mich, dass die Kinder- und Jugendbuchtage insgesamt einen so großen Anklang gefunden haben, und ich freue mich ganz besonders, dass sich so viele Schulen und vor allem auch so viele junge Schüler an dieser Veranstaltung beteiligt haben.

Meine Damen und Herren: wer liest, gewinnt. Ich bin sicher, diese 1. Überlinger Kinder- und Jugendbuchtage – sie haben viele Gewinner. Ihnen allen, meine Damen und Herren, wünsche ich noch einen schönen Abend und den jungen Lesern, dass sie die Begeisterung fürs Lesen nie verlieren, und dass sie deswegen noch häufig „beim Lesen erwischt“ werden."

"Aufstieg durch Bildung" - Vortrag Dr. Bernhard Bueb

"Ich begrüße Sie sehr herzlich als Vorsitzender des Vereins Lesezeichen. Ich habe selber wenig dazu beigetragen, bin sozusagen einer, der wie der Bundespräsident dann immer mit davon profitiert, dass die anderen die Arbeit gemacht haben. Aber ich will doch ein paar Worte sagen. Frau Kleffner hat mich gebeten, zum Thema Bildung etwas zu sagen, und das werde ich auch tun, und Sie brauchen keine Angst zu haben, dass es zu lang wird!

Ich habe es genannt: „Aufstieg durch Bildung“, um mal zu zeigen, was Bildung eigentlich sein könnte, und warum diese ganze Veranstaltung die Kinder und Jugendlichen gebildet hat.

Ich habe das Thema gewählt „Aufstieg durch Bildung“. Das hat die Bundesregierung einmal plakatiert – große Plakate vor Jahren „Aufstieg durch Bildung“, und das ist ja auch ein richtiger Satz. Die Frage ist aber, ob die Bildung, die wir in den Schulen erwerben, eigentlich geeignet ist, um aufzusteigen.

Was braucht man, wenn man aufsteigen will?

Man braucht Selbstvertrauen. Man braucht Phantasie, Energie, Durchsetzungsvermögen. Man muss diszipliniert arbeiten und leben können. Man muss im Wettbewerb bestehen können. Man darf nicht aufgeben, muss hartnäckig sein. Alles Eigenschaften, von denen ich nicht weiß, ob sie eigentlich von der Schule so vermittelt werden. Denn wenn man in Deutschland von Bildung spricht, dann fällt einem sofort akademische Bildung ein. Und es fällt einem sozusagen der Klassenbeste ein als derjenige, der als der Gebildete gelten sollte. Das heißt, in Deutschland ist Bildung immer nur geistige Bildung, kognitive Bildung, intellektuelle Bildung und im Zeugnis – Hauptschulzeugnis, Realschulzeugnis, Abiturzeugnis – steht nur das drin und wird nur bewertet, was einer intellektuell geleistet hat. Was für eine Persönlichkeit er ist, ob er interessant und farbig, ob er langweilig ist, ob er sich sozial engagiert, musikalisch ist, politisch etwas bewirken will, ob er unternehmend ist, phantasievoll – das steht da alles nicht drin. Es kann ein langweiliger Klassenbester das Ideal der deutschen Schule erfüllen. Und da fragt man sich, ob man den dann auch später noch heiraten will, so einen Menschen!

Diese Art Bildung ist doch nicht geeignet, Menschen das Aufsteigen zu ermöglichen. Bildung will ich mal versuchen zu charakterisieren. Es gibt ja zwei Länder, zwei westliche Länder, die zwei Extreme der Bildung vertreten: das sind Amerika und Deutschland. Und das kann man am besten an einer Anekdote darstellen:

Ein Amerikaner und ein Deutscher stehen in einem Garten und werden gefragt, was für ein Baum das sei, vor dem sie stehen. Der Deutsche beginnt, in seinem Wissen zu kramen, und entweder hat er Glück gehabt und die Linde wurde behandelt im Biologieunterricht, er war auch anwesend und erinnert sich noch, dann wird er erkennen, dass das eine Linde ist. Der Amerikaner kramt gar nicht in seinem Wissen, sondern der Amerikaner geht zum Gärtner und fragt. Das heißt, der Amerikaner hat gelernt, sich das Wissen zu erwerben; er weiß von vornherein, dass man nicht alles wissen kann. Nun ist es aber so, um die richtigen Fragen stellen zu können, bedarf man wiederum ein Minimum an Wissen, und daran mangelt es ja nun bekanntermaßen den Amerikanern. Also, die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte.

Aber Bildung beginnt mit den richtigen Fragen und mit der Neugierde, überhaupt fragen zu wollen. Man sollte sich ja überhaupt nicht, zum Beispiel, vor das Internet begeben ohne eine konkrete Frage, sonst verliert man sich im Uferlosen. Denn ich muss, wenn ich mich informieren will, nicht nur wissen, wie ich mir das Wissen erwerbe, sondern ich muss heute genauso wissen, wie ich mich unnötigen Wissens erwehre. Das ist heute genauso wichtig. Und die richtige Frage zu stellen, hat etwas mit der Persönlichkeit zu tun, mit dem Selbstvertrauen, mit ein bisschen Mut, diese Frage zu stellen, gerade wenn es um kompliziertere Zusammenhänge geht. Und dann auch, sich für eine Antwort zu entscheiden, die richtige herauszufinden und zu sagen: „Das ist die richtige Antwort, und das soll die Grundlage meiner Tätigkeit werden.“ Und das Ganze, wenn ich die Antwort gefunden habe und mich dafür entschieden habe, nennt man Urteil. Und die Grundlage von Bildung ist eigentlich urteilen, und sie beruht auf dem Selbstwertgefühl eines Menschen.

Wenn Sie mich einmal fragen würden: „Wer ist ein gebildeter Mensch?“, dann würde ich Ihnen folgende Antwort geben: Der gebildete Mensch verfügt über ein starkes Selbstwertgefühl, und er gewinnt es nicht aus dem Vergleich mit anderen Menschen – ganz wichtig –, denn er ruht in sich. Er hat eine gewisse Distanz zu sich, er kann „Ja“ zu sich sagen. Er kann dadurch anderen Menschen frei begegnen, und er akzeptiert andere Menschen, weil er sich selbst akzeptiert. Er lebt nach bestimmten Werten, die er begründen kann, für die er aber auch einsteht. Er richtet nicht über andere Menschen, weil er sich nicht über andere Menschen erhebt. Er ist ein Freund der Sinne und des Maßes, er kann also genießen. Er ist eigentlich ein glücklicher Mensch. Das Ziel von Schule sollte eigentlich heißen, Kinder zu glücklichen Menschen zu erziehen. Und jetzt stellen Sie sich einmal vor: in Deutschland wird ja Schule und Glück nicht in einem Atemzug genannt, sondern Schule ist Pflicht, und das Glück findet woanders statt. Jeder Schüler wird Ihnen das sofort bestätigen.

Nun ist die große Frage: Wenn also die Grundlage von Bildung das Selbstwertgefühl eines Menschen ist, wie können wir Kinder und Jugendliche so erziehen, dass sie an sich glauben lernen, dass sie sich akzeptieren lernen, dass sie „Ja“ sagen zu sich und dadurch auch zu anderen Menschen „Ja“ sagen können? Dazu brauchen sie etwas, was im Leben zentral wichtig ist, nämlich Anerkennung. Man kann geradezu sagen, das menschliche Leben ist ein ständiges Ringen um Anerkennung. Wenn Sie oder auch Ihr Euch mal an die letzten vierzehn Tage Eures Lebens erinnert, und Sie sich ganz ehrlich fragen, wie häufig Sie in diesen Tagen um die Anerkennung eines anderen Menschen gerungen haben, eines Menschen, der Ihnen wichtig war – das kann der  Ehepartner sein, ein Freund, eine Freundin, es kann ein Vorgesetzter sein, oder eine Person, die einem wichtig ist – und das Glück, Ihr Glück und Unglück hing weitgehend daran, ob Sie diese Anerkennung erhalten haben oder nicht. Anerkennung bekommen hebt das Selbstwertgefühl, stärkt das Selbstwertgefühl eines jeden Menschen und ganz besonders auch von Kindern und Jugendlichen. Und wo gewinnen sie Anerkennung? Indem sie zunächst einmal ein richtiges Verständnis von Glück haben, das heißt, wenn sie glückliche Menschen werden wollen. Denn es geht ja nicht darum, dass sie Glück haben, dass sie gute Bedingungen vorfinden, sondern sie müssen ja ein Glück erfahren, zu dem sie selber beitragen können. Sie müssen lernen, ihres Glückes Schmied zu werden. Und dieses Glück der Anstrengung – also, wenn man ein Fußballspiel gewinnen will, dann muss man sich anstrengen und erlebt glückliche Momente; oder wenn man eine Klassenarbeit gut geschrieben hat oder in einem Lesewettbewerb gewonnen hat oder ein Klavierstück gut gespielt hat – immer macht einen das glücklich, weil man sich angestrengt hat und diszipliniert gearbeitet hat und so weiter.

Und wo findet dieses Glück der Anstrengung statt? Was brauchen Kinder und Jugendliche, damit sie diese Erfahrung machen können? Sie brauchen zwei Bedingungen: Sie brauchen Gemeinschaften, in denen sie sich bewegen können, und sie brauchen Zuwendung und Zeit von Erwachsenen. Und genau das haben diese Lesetage geboten. Denn das Hauptdefizit, unter dem Kinder und Jugendliche heute leiden, ist das Defizit an Gemeinschaften und das Defizit an Zeit und Zuwendung von Erwachsenen. Gemeinschaften gibt es immer weniger. Schon die Straßengemeinschaften gibt es häufig nicht mehr – häufig mangelt es an Kindern, aber auch weil es zu gefährlich ist heute auf den Straßen. Kirchen haben sich in der Kinder- und Jugendarbeit zurückgezogen. Die Pfadfinder haben nicht mehr die gleiche Geltung. Das Vereinswesen nimmt ab, insbesondere in den Städten. Ich war kürzlich in Frankfurt, einer richtigen Vereinsstadt, in einem Seminar über Vereinswesen, und die leiden darunter, dass die Kinder und Jugendlichen nicht mehr in die Vereine eintreten; sie altern vor sich hin. Das ist hier Gott sei Dank noch anders, aber in den Großstädten wird die Entwicklung ja immer schon vorweg genommen. Dort suchen sich die Jugendlichen Zufallsgemeinschaften, oder sie machen die Technik zu ihrem Begleiter, also Computer, Handy, Fernsehen, Internet und so weiter.

Und die zweite Bedingung, die sie brauchen, ist, dass Erwachsene Zeit für sie haben. Das schönste Geschenk, das Erwachsene Kindern machen können, ist Zeit. Das sollten sich besonders die Herren der Schöpfung, die Väter, als Hauptsatz mit nach Hause nehmen. Das heißt, diejenigen, die jetzt hier sind, die zeigen ja schon, dass sie sich Zeit nehmen, aber das ist eine Minderheit. In Deutschland ist die Durchschnittszeit, die ein Vater, die Väter sich für ihre Kinder nehmen, 20 Minuten. Da stehen natürlich die Frauen gut da. Und deswegen müssen wir dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche Gemeinschaften erleben, und dass die Erwachsenen eben Zeit für sie haben. Und genau das ist geschehen in diesen Tagen. Sie haben Gemeinschaften erlebt, Lesegemeinschaften, ein Gemeinschaftserlebnis gehabt, und sie haben Erwachsene gehabt, die Zeit für sie gehabt haben. Und das müsste eigentlich die Normalität werden an unseren deutschen Schulen, denn unsere deutschen Schulen sind dadurch gekennzeichnet, dass die Erwachsenen eigentlich keine Zeit haben. Die Lehrer hecheln durch die Lehrpläne im Dreiviertelstundentakt jeden Morgen, und nachmittags sind sie nicht mehr vorhanden. Das heißt, sie haben nur Zeit für die akademische Bildung, sie haben aber keine Zeit für die Persönlichkeitsbildung, und das müsste sich fundamental ändern. Das heißt, solche Ereignisse wie sie jetzt ausnahmsweise vier Tage hier stattgefunden haben, sollten die Regel werden, und die Lehrer insbesondere sollten mehr Zeit für Kinder haben. Und natürlich, was wäre die Einrichtung, die das garantieren könnte? Die Ganztagsschule! Die flächendeckende und verpflichtende Ganztagsschule, das will ich hier nur als Botschaft bringen.

Wenn wir Bildung so verstehen: Bildung, letztlich das Zentrum von Bildung, ist, Selbstwertgefühl zu stärken, und jeder Lehrer sollte, wenn er Latein unterrichtet oder Mathematik oder Deutsch nicht zum Ziel sich nehmen, dass die Kinder und Jugendlichen am Ende irgendeinen abstrakten Wissensstatus erreichen, sondern dass sie mit Hilfe von Deutschunterricht und mit Hilfe von Mathematikunterricht stärker werden. Und wenn Lehrer einmal begreifen würden, dass sie nicht Fächer unterrichten sollten, sondern Kinder unterrichten sollten, dass also das Kind im Vordergrund stehen sollte, dann würde den Kindern geholfen, glückliche Menschen zu werden. Vielen Dank!"